Braunschweig wird zum Zentrum europäischer Metrologieforschung - auch Göttingen kann profitieren

Am 22. April 2009 hat das Europäische Parlament entschieden, dass die EU das bisher größte und ehrgeizigste Forschungsprogramm der Metrologie in Europa mit 200 Millionen Euro für die nächsten 7 Jahre unterstützen wird. 200 Millionen Euro werden zusätzlich von den europäischen Mitgliedstaaten aufgebracht.

Forschungsinstitute aus 22 Staaten werden zusammen arbeiten und die fünf Mitgliedsstaaten, die bislang noch keine nationale Metrologieforschung haben, werden zusätzlich davon profitieren.

Erika Mann auf der Pressekonferenz der PTBGestern fand eine Pressekonferenz in der Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig statt, an der neben Erika Mann auch Vertreter der Kommission und des Bundesforschungsministeriums teilnahmen. „Die von der durch die Europäische Union geförderten Metrologie-Forschung kann auch der Forschungsstandort Göttingen profitieren. Dafür werde ich mich einsetzen“, sagte Erika Mann auf der heutigen Pressekonferenz der Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig. Mann war Berichterstatterin des Europäischen Parlamentes für den Richtlinien-Vorschlag der Europäischen Kommission und hat die Verabschiedung des Europäischen Metrologie-Forschungsprogramms federführend von Anfang an geleitet und vorangetrieben

Erika Mann will nun dafür arbeiten, dass auch der Forschungsstandort Göttingen von der Europäisierung der Metrologie-Forschung profitiert. Sie sieht dafür gute Chancen: „Göttingen verfügt über vielfältige Einrichtungen und Netzwerke im Umfeld dieses Forschungsbereiches. Besonders im Bereich der optischen Forschung und Industrie ist die Region stark aufgestellt. Diese Potentiale müssen genutzt und mit dem PTB verknüpft werden“, so die Abgeordnete.

Bei der Metrologie geht es um die Wissenschaft vom richtigen Messen. Da man nur herstellen und erforschen kann, was man auch messen kann, stellt sie die Grundlage für so gut wie jegliche weiterführende Forschung und Entwicklung von Spitzentechnologie dar, dies gilt für die Medizin, für den Klimabereich, für Nanotechnologie, Krebsforschung, wie auch für die Festlegung von standardisierten Diabeteswerten. Weil die “Sauberkeit” der Forschung absolut gewährleistet werden muss, kommt es immer auf eine Verständigung und Festlegung eines Standards an. Deshalb ist der Erfolg, der jetzt mit der Zusammenlegung der 22 Institute in einen europäischen Verbund erreicht worden ist, so enorm wichtig. Erst durch diese Zusammenlegung findet eine langfristige Europäisierung im Bereich der Metrologie statt, die einen stabilen Rahmen gibt, um international das Gewicht europäischer Standardsetzung und Forschung auszuspielen.

Pressekonferenz in der PTB

Pressekonferenz in der PTB

Das Gesamtvolumen des Metrologie-Forschungsprogramms beträgt 400 Mio. Euro, wovon die Hälfte von der EU und die andere Hälfte von den nationalen Metrologie-Instituten im Rahmen eines so genannten Verfahrens gemäß des Artikels 169 EG-Vertrag (nationalstaatliche und europäischen Zusammenarbeit und Finanzierung von Forschung) aufgebracht werden. Die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) aus Braunschweig, wo Deutschlands nationales Metrologieinstitut angesiedelt ist, wird aufgrund seiner Größe rund ein Drittel des Programms bestreiten. Prof. Dr. Michael Kühne, Mitglied des Präsidiums der PTB und ab 2010 Direktor des International Bureau of Weights and Measures (BIPM), war an der Ausarbeitung des Europäischen Metrologieforschungsprogramm beteiligt. Das Europäische Forschungsprogramm wird zusätzlich auch von Braunschweig aus durch EURAMET e.V., der Dachorganisation der europäischen Metrologieinstitute, gesteuert und koordiniert werden.

Pressekonferenz in der PTB

Pressekonferenz in der PTB

Bereits 2007 haben die europäischen Metrologieinstitute ihre Arbeit in einer Dachorganisation, dem Verein EURAMET e.V. mit Sitz in Braunschweig, zusammengeführt. Die Gründung dieses Vereins ermöglichte die Entwicklung und Durchführung eines gemeinsamen Forschungsprogramms und dadurch wurden gegenseitige Qualitätsvergleiche und Hilfestellungen beim Aufbau von Messinfrastrukturen möglich. Im Jahr 2008 wurden im Rahmen von EURAMET e.V. bereits 21 gemeinsame Projekte initiiert. Dies galt als Testlauf für das heute verabschiedete sehr viel umfangreichere Europäische Metrologieforschungsprogramm (European Metrology Research Programme, EMRP).

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